7.12.2020

Im Advent in Tansania von Jan Kristen Prüßing

Wer mich kennt, der weiß, dass ich im Grunde genommen nur ein kleines verspieltes Kind in einem viel zu langen Körper bin. Und da Weihnachten bei kleinen Kindern natürlich besonders beliebt ist, möchte ich mein Weihnachten hier natürlich so gut es geht genießen. Am schönsten an Weihnachten ist ja häufig die Vorweihnachtszeit. Man isst leckere Plätzchen, hört die erste Weihnachtsmusik und ist froh über jeden heißen Tee, den man trinken kann, wenn man nachmittags um vier im Dunkeln und von Schneeregen durchnässt nach Hause kommt.

Moment mal, Schnee, Kälte? Da passt was nicht. Hier esse ich Mangos anstatt Plätzchen, höre ständig tansanischen Hip-Hop, und ich bin froh über ein kaltes Getränk, wenn ich nachmittags um vier in der prallen Sonne, vom Schweiß durchnässt nach Hause komme.
Irgendwie sagt mein Verstand mir also: Hey, es ist überhaupt kein Weihnachten.
Doch da das kleine Kind in mir natürlich unbedingt Weihnachten wie zu Hause will, versuche ich, soviel Weihnachtliches von zu Hause wie nur geht hier einzuführen.
Zum Glück denkt Jonas da genauso und deshalb haben wir unser Großprojekt gestartet: Der tansanischen Bevölkerung die deutschen Weihnachtssitten und -gebräuche beizubringen.
Hier unsere ersten beiden Schritte:

  1. Bachs Weihnachtsoratorium am ersten Advent.
    Na gut, zugegeben, das Oratorium sollte eigentlich erst an Heiligabend beginnen, aber zu Hause läutet der erste Advent seit jeher die Weihnachtsoratoriumszeit ein. Also habe ich mir heute Morgen noch schnell eine Aufnahme von „Jauchzet frohlocket“ aus dem Internet heruntergeladen und so gab es heute zur Ausnahme mal „Beats“ von der Pauke.
  2. Kein Advent ohne Adventskranz.
    Hier gibt es zwar keine Nadeln, aber Jesus hatte damals ja auch keine Tannenzweige, von daher erschienen uns Palmenblätter ein bisschen origineller…

Text und Fotos: Jan Kristen Prüßing, Kyela, Tansania, 2010