6.12.2020

Ich freu mich auf den Sommerurlaub!

Haben Sie über Nacht ein Geschenk bekommen und es heute früh gefunden?
Ja, so sollte es am Nikolaustag sein. So erwarten und erhoffen es die Kinder und manchmal auch wir Erwachsene. Das ist schließlich ein fester Brauch in der Adventszeit.
Ich allerdings muss am Nikolaustag immer an den Sommerurlaub denken. Ich erinnere mich an die schönen Zeiten in Dänemark und freue mich schon auf unsere nächste Reise an die dänische Nordseeküste. Aber, so werden Sie sich fragen, was hat das mit dem Nikolaustag zu tun?

Schon als Kind war ich mit meiner Familie immer wieder in der Ǻl-Kirke in Oksbøl und hatte während der dänischen Predigten, von denen ich kein Wort verstand, genügend Zeit mir die etwa 1200–1225 entstandenen romanischen Fresken im Kirchenschiff anzusehen. Natürlich war der Fries der kämpfenden Ritter spannend, aber die Bilder darüber fand ich auch faszinierend. Ich konnte sie keiner biblischen Geschichte zuordnen und fragte daher meine Eltern, was dargestellt ist. Sie erklärten mir die einzelnen Szenen, die die ausführliche Legende vom Bischof Nikolaus zeigten: Da wird Nikolaus zum Bischof geweiht. Da tauft er. Da erweckt er die drei ermordeten Studenten wieder zum Leben, die vom Wirt aus Habgier mit der Axt erschlagen und zerstückelt worden waren. Und da steht er mit einem Geldsäckchen in der Hand vor einem Fenster, während ein Mann innen hinter dem Fenster im Bett sitzt und dasselbe Geldsäckchen in den Händen hält und im nächsten Zimmer eine weitere Person im Bett liegt.

Diese letzte Szene erschloss sich mir zuerst am wenigsten, war aber letztlich die, die mich am meisten beeindruckte. Immerhin geht auf diese Erzählung unser Brauch der nächtlichen Geschenke zurück:
Ein verarmter Mann beabsichtigte, seine drei Töchter zu Prostituierten zu machen, weil er sie mangels Mitgift nicht standesgemäß verheiraten konnte. Nikolaus, der ein größeren Vermögens geerbt hatte, erfuhr von der Notlage und warf in drei aufeinander folgenden Nächten jeweils Geld durch das Fenster des Zimmers der drei Jungfrauen. In der dritten Nacht gelang es dem Vater, Nikolaus zu entdecken, ihn nach seinem Namen zu fragen und ihm dafür zu danken.
Am heutigen Nikolaustag, an dem ich (vielleicht) wieder etwas über Nacht geschenkt bekommen habe, freue ich mich auf unseren nächsten Dänemark-Urlaub, freue ich mich darauf, wieder unter diesem Nikolausfries den dänischen Gottesdienst mitzufeiern.
Einen gesegneten Nikolaustag!
Johannes Beer