12.12.2020

Sie kennen sicherlich aus unserem Gesangbuch das Lied Nr. 669:
„Herr, gib und Mut zum Brücken bauen,…“

© R. Scheele 2020
  • aber welche, und was sind überhaupt Brücken ?
    Brücken gibt es viele,
    zum Beispiel die, über die wir gerne mal stolpern,
    meist schön anzusehen,
    wenn sie so auf dem Zimmerfußboden liegen,
    als Dekoration von einem Raum zum anderen,
    oder, um auf dem Teppichboden
    die Saftflecken der Enkelkinder abzudecken.
    Dann die Brücken, die gelegentlich auch mal wehtun,
    vor allem, wenn wir beispielsweise
    gerade Mohnkuchen gegessen haben,

oder die Brücke, wie wir sie
vom Steintorwall aus an der Aa vorfinden,
die einfach so im Nichts endet,
und die lediglich als Aussichtsplattform
mit wenig Aussicht dient.

Es gibt aber auch andere Brücken,
Bauwerke wie beispielsweise
die Golden Gate Bridge in San Francisco,
eine Hängebrücke mit einer Länge von ca. 2700 m
oder die imposante Öresund-Brücke,
eine fast 8 km lange Schrägseilbrücke,

oder – ganz hier in der Nähe – die Schillerbrücke,
die gerade in dieser Woche nach vielen Pannen
und einer übermäßig langen Bauzeit
endlich fertiggestellt wurde.
Einige von Ihnen werden sich noch daran erinnern,
welch weite Umwege sie gehen mussten,
um beispielsweise von der Stadtmitte aus
zum Museum Marta zu gelangen.
Hier konnte man am eigenen Leib erfahren,
wozu Brücken dienen.
Brücken schaffen Verbindungen
ersparen Umwege
führen vom Ausgangspunkt zum Ziel.

Doch halt:
in einem Lied der ehem. DDR-Band Karat
(Text von Helmut Richter) heißt es:
Manchmal geh‘ ich meine Straße ohne Blick,
manchmal wünsch‘ ich mir mein Schaukelpferd zurück.
Manchmal bin ich ohne Rast und Ruh‘,
manchmal schließ ich alle Türen nach mir zu.
Manchmal ist mir kalt und manchmal heiß,
manchmal weiß ich nicht mehr was ich weiß.
Manchmal bin ich schon am Morgen müd‘,
und dann such ich Trost in einem Lied.

Über sieben Brücken musst du geh’n,
sieben dunkle Jahre übersteh‘n,
siebenmal wirst du die Asche sein,
aber einmal auch der helle Schein.

Das mit den dunklen „Jahren“ haben wir ja gerade,
ich meine die fast endlos erscheinende
Zeit der Corona-Epidemie.
Und bei dem hellen Schein,
da fällt mir ein, dass es Brücken gibt,
die man gar nicht sehen kann und die doch da sind,

die Brücken von Mensch zu Mensch,
sie können bestehen aus Liebe, aus Sympathie,
aus Zuneigung oder aus Wohlwollen,
aus Ehrlichkeit oder aus Gastfreundschaft,
sie können Menschen zusammenführen,
das Zusammenleben erleichtern.
Brücken verbinden auch auf diese Weise
die eine Seite mit der anderen.

Und wie können wir Brücken bauen?
Versuchen wir es doch mal
indem wir nicht nach der Welt,
nicht nach den Sternen greifen,
indem wir geben statt zu nehmen,
versuchen wir es
durch Liebe, Sanftmut und Treue,
durch Vertrauen und gute Worte,
durch Hilfsbereitschaft,
durch Vergebung,
durch ein Gebet für den Anderen
durch ein Lächeln.

Ein Lächeln ist die kürzeste Brücke
von Mensch zu Mensch,
und auch mit Corona-Maske können wir oft
ein Lächeln in den Augen dessen,
der uns gegenüber steht, erkennen.

Bleiben Sie –
im besten Sinne des Wortes – negativ!

Ihr Jochen Launer