11.12.2020

von Annette Beer

Heute am 11. Dezember ist der Todestag von Jochen Klepper. Geboren am 22. März 1903 war er einer der bedeutendsten Dichter geistlicher Lieder des 20. Jahrhunderts. Einige von seinen Liedern stehen im evangelischen Gesangbuch, z. B. das anrührende Weihnachtslied:
Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Von OTFW, Berlin – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, Https://commons.wikimedia.org/ w/index.php?curid=37255941

Weil Jochen Klepper eine jüdische Frau hatte, wurde er verfolgt. Der Druck wurde schließlich so groß, dass er 1942 zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter in den Tod ging. Welche Dunkelheit, welche Nacht muss ein Mensch erleben, dass es soweit kommt? Wie tief müssen der Glaube und die Hoffnung eines Menschen sein, dass er trotzdem so dichten kann?

Weihnachtslied

Wer warst du, Herr, vor dieser Nacht?
Der Engel Lob ward dir gebracht.
Bei Gott warst du vor aller Zeit.
Du warst der Glanz der Herrlichkeit.
Beschlossen war in dir, was lebt.
Geschaffen ward durch dich, was webt.
Himmel und Erde ward durch dich gemacht.
Gott selbst warst du vor dieser Nacht.

Wer war ich, Herr, vor dieser Nacht?
Des sei in Scham und Schmerz gedacht!
Denn ich war Fleisch und ganz verderbt,
verloren und des Heils enterbt.
Erloschen war mir alles Licht.
Verfallen war ich dem Gericht.
Ich, dem Gott Heil und Gnade zugedacht,
war Finsternis und Tod und Nacht!

Wer wardst du, Herr, in dieser Nacht?
Du, dem der Engel Mund gelacht,
dem nichts an Ruhm und Preis gefehlt,
hast meine Strafe dir erwählt.
Du wardst ein Kind im armen Stall
und sühntest für der Menschheit Fall.
Du, Herr, in deiner Himmel höchster Pracht
wardst ein Gefährte meiner Nacht!

Wer ward ich, Herr, in dieser Nacht?
Herz, halte still und poche sacht!
In Gottes Sohn ward ich Sein Kind.
Gott ward als Vater mir gesinnt.
Noch weiß ich nicht: Was werd‘ ich sein?
Ich spüre nur den hellen Schein!
Den hast du mir in dieser heil’gen Nacht
an deiner Krippe, Herr, entfacht!
(1940)