An(ge)dacht zum 6. Sonntag nach Trinitatis – 19.7.2020

von Pfarrer Dr. Olaf Reinmuth, Kirchengemeinde Herford-Mitte.

Zwei Kinder habe ich schon getauft in der Zeit seit Corona. Das war die erste größere Gesellschaft in der Kirche. Zwei Familien kamen zusammen. Sie hatten die Taufen lange vorher angemeldet. Es gab die ersten Lockerungen. Und wir haben es probiert und einen Taufgottesdienst in der Jakobi-Kirche zusammen gefeiert. Sehr speziell. Mit Gästelisten und Masken vor dem Gesicht während der ganzen Zeremonie. Vierzig Personen immerhin. Viel Nähe von denen, die zusammenleben, auch körperlich. Die anderen waren vorsichtig und zurückhaltend. Es war ein gutes Zeichen in der so schwierigen Zeit. Gott kommt uns nahe. Er hält zu uns, auch wenn wir auf Distanz gehen müssen. Wir sind dankbar dafür und spüren etwas von der Kraft, die in einem solchen Gottesdienst stecken kann. Danach waren alle ganz beschwingt und sind zum Feiern weitergegangen, die eine Familie ins Lokal, auch eine Premiere, die andere zu Hause in den Garten. Gottes Gegenwart hilft mir und macht etwas möglich, was sonst nicht möglich wäre. Hier konnte man es tatsächlich merken.

Die beiden kleinen Kinder, die ich getauft habe, haben sicher auch was gemerkt. Aber sie werden sich später kaum daran erinnern können. Wie lebt es sich als getauftes Kind und als getaufter Erwachsener? Dieser Sonntag ist der Erinnerung an die Taufe gewidmet. Für die meisten von uns, die als Kinder getauft sind, reicht das über die Erinnerung hinaus. Man kann sich höchstens Bilder ansehen und kann sich Geschichten anhören. Aber interessant ist eigentlich, wie ich mir die Begleitung Gottes vorstelle in der Zeit, seit ich getauft bin. Segen ist den meisten Eltern wichtig. Da ist jemand, der größer ist als jeder Mensch, der mehr vermag, als Menschen vermögen, der sich zu meinem Kind bekennt, der mich begleitet und mir hilft, wenn ich meinen Weg suche und gehe. Nicht immer spüre ich etwas von Gott. Manchmal frage ich vergeblich nach ihm. Wie ins Leere hinein. Manchmal tritt er mir scharf entgegen, wenn ich auf einem Ego-Tripp bin. Oft puscht er mich, holt mich aus der Niedergeschlagenheit heraus, bringt mich nach vorne. Das finde ich selber am schönsten. Im Lauf der Zeit ergibt sich so eine lange Geschichte mit Gott.

Im letzten Jahr haben wir im Münster eine Tauferinnerung gefeiert. Mit einer Wasser-Zeremonie. Wer wollte, konnte sich ein Wasserkreuz auf die Stirn zeichnen lassen. Zur Erinnerung an die Taufe, zur Auffrischung. Sogar die Konfirmanden kamen mutig nach vorne. Die Leute waren gerührt, mit Tränen in den Augen. Weil viel passiert ist, weil Leben aufwendig und anstrengend ist, weil sie dann doch dankbar waren, dass sie in allem und trotz allem bis hierher gekommen sind. Es waren ausgesprochen rührende Momente. Man erlebt seine Lebensgeschichte aus der Perspektive der Taufe: du bist angenommen; eigentlich kann jetzt nichts Schlimmes mehr passieren und wenn doch, bekommst du Kraft um dagegen zu kämpfen. Was für ein schöner Gedanke! Gott befohlen!