An(ge)dacht zu Silvester am 31.12.2020

Von Pfr.Albert Purba

Das Leben ist eine unerwartete Reise. Im Laufe der Jahrhunderte haben weise Leute gefragt: „Warum existiere ich? Wofür bin ich hier? Wohin gehe ich?“ Alles ist ungewiss; völlig unvorhersehbar. Es gibt keine wirklich genaue Formel, die die Gleichung A + B = AB ergeben könnte. Das Leben ist voller unerwarteter Dinge, alles ist unsicher und alles ist möglich. Starke Menschen sind nicht unbedingt Gewinner. Ein weiser Mensch wird nicht unbedingt reich. Ehre ist nicht unbedingt für sachkundige Menschen. Sicher ist, dass die Menschen irgendwann Widrigkeiten, Leiden, Unfälle und Unsicherheiten haben werden.

Es ist wahr, dass Menschen mit wissenschaftlichen Werkzeugen tatsächlich das Wetter, wirtschaftliche Bewegungen und bestimmte Chancen in der Zukunft vorhersagen können. Aber es ist immer noch eine Prophezeiung. Wettervorhersage zum Beispiel erinnert uns jeden Tag an das Wetter von morgen. Aber wer hätte gedacht, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten werden würde, obwohl in den Tagen vor der Wahl die meisten Umfrageagenturen angaben, dass Hillary Clinton gewinnen würde.

Wir leben in einer Welt, die völlig unsicher ist, oder in einer positiveren Sprache: in der alles möglich ist. Was heute unmöglich ist, kann morgen oder übermorgen sein. Um eine Unmöglichkeit auszudrücken, spricht man in Indonesien ein Sprichwort: ,Seperti Pungguk Merindukan Bulan’ (Deutsch: Wie die Eule sich nach dem Mond sehnt.) Das bezieht sich auf Wünsche, die nicht erreicht werden können. Aber jetzt und in ein paar Jahren werden die Menschen als Touristen zum Mond pendeln – vorausgesetzt, Geld und Gesundheit erlauben es.

Der Prediger der Bibel (Kohelet) sieht das Leben zynisch und sagt, dass alles umsonst ist. Alles ist bedeutungslos, weil die Nachkommen kommen und gehen und gehen werden. Alle Flüsse fließen ins Meer, aber das Meer ist nie voll. Der Wind wirbelt hin und her und kehrt dann an seinen ursprünglichen Ort zurück. Oh, wie unverständlich. Nichts Neues. Es gibt zwar etwas Neues, aber tatsächlich ist es eine andere Form dessen, was vorher da war.

Sollten wir traurig und pessimistisch sein und nichts tun? Wir müssen uns daran erinnern, dass selbst das Leben ungewiss ist. Aber in dieser Unsicherheit müssen wir in der Lage sein, unser Leben mit Bedacht zu füllen. Das Leben in Zeit und Raum ist ein Geschenk. Jeder bekommt die gleiche Zeit, nämlich 24 Stunden am Tag; sieben Tage die Woche und so weiter. Alle erhielten den gleichen Anteil, nicht weniger nicht mehr. Wir können keine Zeit sparen, um es morgen oder später zu verwenden. Er wird alleine rauslaufen.

Es gibt zwei Zeitkonzepte, nämlich Kronos und Kairos. „Kronos“ ist eine Reihe von Stunden, Tagen, Wochen, Monaten, Jahren und so weiter. Jede und jeder erhielt die gleichen Stunden. Dagegen bedeutet „Kairos“ Gelegenheit oder Chance. Dies unterscheidet eine Person von anderen, weil nicht jeder die gleiche Chance bekommt. Hierin liegt das Leben, das bedeutungslos oder bedeutungsvoll ist. Ein weiser Mensch kennt die Möglichkeiten. Die Weisen erkennen, dass Chancen nicht immer kommen. Es ist wie ein Raum mit vielen Türen. Es gibt Zeiten, in denen eine Tür offen ist und einige für immer geschlossen sind. Wir wissen nicht, welche Tür wir öffnen und schließen sollen, aber die Weisheit wird uns in diese oder jene Tür drängen. Und sobald wir es betreten, bewegt sich unser Leben auf dem Weg, den die Tür zeigt.

Wir nähern uns dem neuen Jahr. Natürlich haben wir Hoffnung oder Entschlossenheit für ein neues und besseres Leben, obwohl die Welt immer noch mitten im Schock und Schlag von Covid-19 ist. Wir sind immer noch mit Möglichkeiten und Unerwartetem konfrontiert. Vor uns befinden sich viele Ungewissheiten, aber uns ist ganz gewiss, dass Gott unser Gebet und Schreien hört. Deshalb verlieren wir den Glauben und das Vertrauen in Gott nicht. Denn wie der Psalmist schrieb, bekennen auch wir: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ (Psalm 31,16).

Aus diesem Bekenntnis komponierte Peter Strauch ein Lied, das ich gern singe. Es lautet:

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Sorgen quälen und werden mir zu groß.
Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.

Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb
Nehmen mich gefangen, jagen mich.
Herr ich rufe: Komm und mach mich frei!
Führe du mich Schritt für Schritt.

Es gibt Tage die bleiben ohne Sinn.
Hilflos seh ich wie die Zeit verrinnt.
Stunden, Tage, Jahre gehen hin,
Und ich frag, wo sie geblieben sind.

Kommen Sie gut, munter und hoffnungsvoll durch diese schwierige Zeit. Hoffentlich, haben wir im Jahr 2021 ein gutes und gesundes Leben und es werden Erwartungen erfüllt.