An(ge)dacht am Ostermontag

Keine Angst, er hat die Schlüssel!

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Das ist die wunderbare Osterbotschaft, die wir uns zurufen. Es ist eine unbegreifliche Botschaft, die sich nicht gleich erschließt. In den Evangelien hören und lesen wir von Furcht und vom Erschrecken. Die Nachricht: Das Grab ist leer, hat zunächst alle verunsichert. Und doch keimen bald Hoffnung und Freude. Jesus lebt, er ist nicht im Tod geblieben, Großes und Unbegreifliches ist uns geschenkt.

Was für ein großes Geschenk uns Jesus macht, spricht er uns selber zu, wenn er sagt: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Off 1,18)

Johannes, der Verfasser der Offenbarung, hat sie aufgeschrieben. Als Christus zu ihm spricht und ihn dazu beruft aufzuschreiben, was er gesehen hat, was ist und was geschehen soll, ist er zu Tode erschrocken. Doch Christus legt beruhigend seine Hand auf Johannes und sagt: „Fürchte dich nicht!“ Ermutigend ist das und wir wissen, dass das, was Johannes hier aufgeschrieben hat, gilt. Wir brauchen uns tatsächlich nicht zu fürchten, denn im Glauben erfahren wir, dass Christus als der Erste und der Letzte an Gottes Seite ist und damit auch an unserer Seite. Ja, er war tot, aber er lebt und er hat Macht über Tod und Hölle. Das ist die befreiende und Mut machende Botschaft, die uns begleitet.

Christus spricht hier deutlich von seinem Tod. Am Kreuz ist er einen qualvollen Tod gestorben. Und wir wissen, dass er diesen Tod für uns Menschen gestorben ist. Doch genauso deutlich spricht Jesus davon, dass er lebendig ist und die Schlüssel des Todes und der Hölle hat.

Schlüssel haben große Bedeutung. Schlüssel schließen etwas auf oder sie schließen etwas ein. Wir wissen auch, wer den richtigen Schlüssel hat, hat Macht, denn nur mit dem passenden Schlüssel kann etwas auf- oder zugesperrt werden. Jesus nun spricht von Schlüsseln, die er besitzt: Er sagt: Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Christus hat also besondere Schlüssel und mit diesen Schlüsseln auch besondere Macht, nämlich Macht über Hölle und Tod.

Tod und Hölle flößen uns Angst ein. Furchterregende Vorstellungen verbinden wir mit der Hölle, obwohl niemand weiß, wie es in der Hölle aussieht. Doch keine Vorstellung kann grausam genug sein, um die Hölle mit ihren Qualen aufzuzeigen. Für mich ist die Hölle der Ort des ewigen Todes, der Ort, an dem Menschen für immer von Gott getrennt sind. Es ist vielleicht gar kein konkreter Ort, eher ein Zustand, in dem Menschen verharren müssen, aber eben fern von Gott.

Jesus spricht uns nun zu: Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Das heißt doch: Jesus schließt die Hölle auf, so dass niemand mehr in ihr gefangen gehalten werden kann. Er befreit uns Menschen damit vom ewigen Tod. Er lässt uns frei und macht uns frei. Hinab gestiegen in das Reich des Todes, so sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Christus hat den Tod erfahren. Er war im Reich des Todes. Er weiß also sehr genau, wovon er spricht. Aber er ist auferstanden, er ist lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er hat die Schlüssel, die die Hölle, das Reich des ewigen Todes, aufschließen, so dass wir Menschen frei werden.

Christus schließt uns Tod und Hölle auf und gleichzeitig sperrt er Tod und Hölle ein. Er verschließt Tod und Hölle sicher, damit sie uns nichts mehr antun können. Sie haben keine Macht mehr über uns, weil Christus ihre Macht gebrochen hat und sie für uns gefangen hält. „Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewigen Tod“. So singen wir Ostern und sind dankbar und froh, dass Christus den ewigen Tod und damit die Hölle besiegt hat und uns ein neues und unvergängliches Leben geschenkt ist.

Christus hat uns das Leben erschlossen. Darum können wir zuversichtlich und mutig sein in einer Welt, in der Tod und Hölle uns immer wieder einholen wollen. Wir dürfen leben, weil wir frei sind von allem, was uns von Christus und seiner Liebe trennen will. Wir dürfen immer wieder neu aufstehen und das Leben wagen, mit allem, was es für uns bereithält. Wir können das, weil er uns begleitet, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt.

Fröhliche Ostern!

Pfrn. Annette Beer