An(ge)dacht am Gründonnerstag

von und mit Pfr. Dr. Olaf Reinmuth, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Herford-Mitte

GRÜNDONNERSTAG

(vor dem Kamin im Frühherrenhaus)
Ein ganz herzlicher Gruß von unserer Kirchengemeinde zu Gründonnerstag.
Alles ist jetzt anders. Tischabendmahl haben wir in den letzten Jahren hier gefeiert. Erinnerung an Jesus, Gemeinschaft untereinander. Über das wegkommen, was uns von einander trennt.

Wir haben es hier zusammen genossen. Der Kelch ging durch die Reihen, von Mensch zu Mensch. Das Brot wurde weitergeben. Einer sagt es zur anderen.„Christi Blut für dich vergossen.“ „Christi Leib für dich gegeben“. Dazwischen gab es Quark und Fladenbrot. Tomaten und Gurken, Wasser und Traubensaft. Richtig was zu essen, schmackhaft und gesund. Zeit für ein Gespräch.
Fünfzig Leuten waren es 2019. Gabi Kern hat ihre Konfigruppe durch die ganze Karwoche mitgenommen, die waren hier mit dabei, einige Eltern und Großeltern und andere Leute aus allen Bereichen unserer großen Gemeinde.
Quer durch die Generationen. Nah beieinander für die Zeit hier, viel Gespräch über die Tische, viel Stille davor und danach. Viel Zeit zum Nachdenken.

Es hat gutgetan. Ich erinnere mich noch sehr genau. Es ist eine schöne Form und eine schöne Erfahrung. Kraft für den Weg, den ich gehen will oder gehen muss. Zuspruch, den ich spüren kann. Das ist die Idee. „Du bist nicht allein.“ „Es sind andere da, auch wenn die nicht immer total sympathisch sind.“ „Gott begleitet dich. Er nimmt dich an, auch wenn nicht alles gut läuft bei dir. Lass dich drauf ein! Es wird schon weitergehen, egal, was vor dir liegt.“

(in St. Johannis, direkt vor dem Altar)
Ich bin jetzt hier in der St. Johanniskirche, direkt am Altar. Hinter mir ist das Altarbild zu sehen. Einsetzung des Abendmahls.
So hat es angefangen. Das ist die Geschichte. Jesus mitten unter seinen Jüngern. Sie feiern Passah, was an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten erinnert. Es ist der letzte Abend seines Lebens. In der Nacht wird er verhaftet, verhört und verurteilt. Am nächsten Tag gekreuzigt. Sie sitzen zusammen, essen und trinken. Sie wissen um die Gefahr. Jesus erklärt ihnen, was passiert. „Ihr esst Brot. Aber mit dem Brot bekommt ihr eine Verbindung zu mir, auch dann, wenn ich nicht mehr da bin.“ „Ihr trinkt Wein oder Traubensaft. Damit werdet ihr mit mir verbunden sein und miteinander“. Jedesmal wenn ich Abendmahl feiere, werden diese Worte gesagt. „Nehmt und esst. Das ist mein Leib.“ „Nehmt und trinkt. Das ist mein Blut des Bundes mit euch.“ Wenn ich das esse und trinke, ist Jesus bei mir. Wegzehrung für schwierige Wege des Lebens.

(draußen)
Wegzehrung gibt es im Abendmahl. Gott zum Anfassen und Schmecken. Kraft, die mir direkt gegeben wird. Jetzt bräuchte ich das besonders. Mitten in der Corona-Krise.

Im Moment ist es für uns schwer. Wir können uns nicht treffen. Wir sind allein. Keine Schule, kein Geschäft hat auf. Wir können nicht richtig arbeiten. Wir haben Angst um unsere Gesundheit und die Gesundheit unserer Lieben. Wir haben Sorgen wegen des Arbeitsplatzes und der Entwicklung der Wirtschaft. Ruhe sieht anders aus.

Meine Tage haben viel mehr Meditatives als vorher. Aber am Rand lauern die Sorgen. Wie wird es weitergehen? Wie lange soll das noch dauern? Wenn der Weg schwer ist, brauche ich Wegzehrung.
Leider können wir im Moment kein Abendmahl direkt miteinander feiern.
Wir müssen uns daran erinnern, wie es sonst war.
Wir können uns darauf freuen, wenn es wieder geht.
Wir können jedes gemeinsame Essen in der eigenen Familie, unter denen, die jetzt noch zusammensein können, zu einer Art Abendmahl werden lassen. Mit einem Tischgebet oder einem Moment von Stille. Gemeinschaft genießen, mit Gott verbunden sein. Kraft tanken. Einander annehmen, wie wir angenommen sind.

Dass das gelingt, wünsche ich Ihnen im Namen Ihrer Kirchengemeinde

Alles Gute!
Gott behüte Sie!

Olaf Reinmuth