An(ge)dacht am Erntedankfest, dem 4. Oktober 2020

von Pfr. Albert Purba

ERNTEDANKFEST IN KAROLAND

Wir im Karoland, Indonesien, und in meiner Kirche, der GBKP, kennen zwei Möglichkeiten, um das Erntedankfest zu feiern, das heißt, traditionell “Kerja Tahun” und kirchlich “Kerja Rani”.

Nach unserer Tradition, nennen wir das Erntedankfest “Kerja Tahun”, die Übersetzung ins Deutsche lautet “Jahresfest”. Kerja Tahun, feiern wir nach der Erntezeit, nachdem Reis geerntet wurde und es im Feld nicht mehr viel Arbeit gibt. Diese Feier findet je nach Region, die in unserer Bezeichnung KECAMATAN heißt, zu unterschiedlichen Zeiten statt, so dass zwischen benachbarten Dörfern unterschiedliche Feierzeiten stattfinden können.

Am Tag vor den Dorfferien stellt sich heraus, dass es sehr festlich wird, weil Verwandte, die in der Stadt leben, ins Dorf kommen. Zwei Tage lang essen und plaudern sie nur von Haus zu Haus, und wenn sie in die Stadt zurückkehren, bekommen sie Geschenke mit: frisch geernteten Reis und traditionelles Essen und Kuchen. Eines davon ist „Lemang“ oder „Rires“ (siehe Abbildung oben), Reis, der in Bambus gekocht und mit Palmzuckermarmelade gegessen wird. Der Geschmack ist sehr gut.

Junge Leute feiern diese Feier, indem sie im „Jambur“, einer offenen Dorfhalle, tanzen. Das Programm beginnt um 16.00 Uhr und geht bis 3.00 Uhr in der Nacht und wird am nächsten Tag um 10.00 Uhr fortgesetzt.

Kirchlich wird das Erntedankfest in jeder Gemeinde zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert. Je nach dem, wann die Gemeinde dazu bereit ist, legt die Kirche den Termin offiziell fest. An den Tagen von „Kerja Rani“ tragen die Gemeindeglieder traditionelle Kleidung und bringen Produkte in die Kirche. Es gibt lebende Hühner, Lebensmittel oder Kuchen, Gemüse und Obst. Diese Gegenstände werden auf dem Altar oder in der Nähe der Kanzel platziert. Nach dem Gottesdienst werden alle diese Gegenstände per Auktion an die Gemeindeglieder verkauft.

Der Höchstbietende gewinnt die verkauften Waren und das gesamte an diesem Tag verdiente Geld geht in die Kirchenkasse. Auf diese Weise erfüllt die Gemeinde die Bedürfnisse der Kirche, abgesehen von Kollekten und anderen Spenden, da wir keine Kirchensteuern kennen.

In einigen Gemeinden gibt es auch Veranstaltungen mit gemeinsamen Essen, Singen und Tanzen. Manchmal tanze und singe ich auch, und wenn ich singe, sammelt die Gemeinde Geld und alles wird in die Kirchenkasse gesteckt.

Was für eine wundervolle Erfahrung, wie die Dorfbewohner und die Mitglieder der Kirche dem Segnenden Dankbarkeit zeigen. In der Fülle der Ernten und Vermögen, die sie erhalten, teilen sie sie mit anderen und sorgen als Christen für alle, die in der Kirche arbeiten, indem sie Opfer bringen. Diese Freude erinnert mich an den Psalm, in dem es heißt:

“Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu rechten Zeit.” (Psalm 145,15)

Ihr Pfarrer Albert Purba