An(ge)dacht am 8. Sonntag nach Trinitatis, dem 2.8.2020

von Pfrn. Annette Beer, Kirchengemeinde Herford-Mitte.

Salz und Licht sein: Eine Lebensaufgabe!

Jesus sprach: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.

So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

(Mt 5,13-16)

„Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.“ Dieser Zuspruch Jesu ist wirklich eine ungeheure Wertschätzung und gleichzeitig eine große Herausforderung. Christus traut uns zu, dass wir als Christinnen und Christen der Welt die rechte Würze geben und die Welt durch uns heller und freundlicher wird.

Wir wissen, Salz gibt einer Speise erst die rechte Würze. Durch Salz wird ein Essen erst richtig schmackhaft. Ohne Salz schmeckt alles ein wenig fade. Außerdem hat Salz konservierende Wirkung. Aber Salz in eine Wunde streuen, verursacht große, lang anhaltende Schmerzen.

Licht und Wärme sind lebensnotwendig. Ohne Licht könnte nichts gedeihen oder leben.

Was ist da unsere Aufgabe als „Salz der Erde und Licht der Welt“?

Wir haben die verantwortliche Aufgabe, dass die Welt besser zu genießen ist und dass sie lichter und wärmer wird, ja, dass unsere Welt liebenswert und lebenswert ist.

Christinnen und Christen sollen ein Stück von Gottes Liebe sichtbar machen. Christus traut uns zu, dass wir das schaffen. Er will, dass diese Welt nicht fad und langweilig wird, sondern, dass wir dazu beitragen, dass Menschen gut leben können. Er traut uns zu, dass durch uns immer wieder ein Stück vom Himmelreich zu sehen ist und Menschen merken können, wie wunderbar es bei Gott ist, wie gut es tut, zu Gott zu gehören, wie entlastend und Mut machend es ist, und welche Gelassenheit uns zuströmt, wenn wir ein Stück vom Himmel spüren dürfen.

Das bedeutet auch, dass wir Salz in Wunden, nämlich in Missstände, unserer Gesellschaft streuen. Als Christinnen und Christen haben wir eine besondere Haltung. Weil Gott so großartig an uns handelt, weil wir seine Liebe und Fürsorge erfahren, sehen wir manches schärfer und beschäftigen uns intensiv mit Dingen, die wir nicht mit unserem Glauben und unserer inneren Haltung vereinbaren können. Wir legen unsere Finger in die Wunde und streuen Salz hinein, damit der Blick für Ungerechtigkeiten geschärft wird. Wir ducken uns nicht weg, wir schweigen nicht, sondern vertreten unseren Glauben und versuchen, dazu beizutragen, dass die Welt etwas von der Liebe Gottes spüren kann.

Woran merkt die Welt denn, dass wir Salz und Licht sind, wo setzen wir denn Akzente oder haben Einfluss? Tatsächlich sind wir im täglichen Leben immer wieder einmal als Salz und Licht unterwegs. Dann nämlich, wenn wir unseren Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen und liebevoll mit ihnen umgehen, dann sind wir Licht für sie. Wenn wir jemandem Mut zusprechen, ihn aufrichten und trösten und für ihn beten, wenn wir ihn begleiten und seine Lasten mit ihm tragen, dann sind wir ein Lichtblick für diese Menschen und tragen dazu bei, dass ihr Leben heller und freundlicher wird. Wenn wir uns einsetzen für Gottes Schöpfung und selbst so leben, dass Gott seine Freude daran haben kann, dann tragen wir dazu bei, dass unsere Welt erträglicher wird. Wenn wir nicht einfach stehen lassen, wenn Menschen sich streiten oder einander ignorieren, sondern Zeichen setzen und Vorbild sind im guten und vorsichtigen Umgehen miteinander, dann sind wir doch schon Salz und Licht.

Und wir wissen ja auch von realen Dingen, die der Welt zeigen, dass wir Christen Salz und Licht für diese Welt sind: Viele diakonische und soziale Einrichtungen sind in kirchlicher Trägerschaft. Unser Diakonisches Werk ist eines der größten Einrichtungen, die der Stadt für viele Anliegen einen Lichtblick verschafft und auch immer wieder Salz in Wunden streut und auf Missstände aufmerksam macht. Wir haben etliche Pflegeheime in kirchlicher Trägerschaft, wir haben das Krankenhaus in Bünde, die Geriatrie in Enger, die Jugendhilfe Schweicheln und und und…All das sind Einrichtungen, die signalisieren, dass hier Menschen bei der Arbeit sind, denen ihr Glaube an Christus nicht gleichgültig ist. Und so wird Christi Liebe erfahrbar.

Ein Beispiel möchte ich noch nennen, weil es mich jede Woche neu beeindruckt:

Jeden Mittwoch erscheint ein großer Bulli auf dem Münsterkirchplatz, die Kost-Bar. Sie hat eine warme Mahlzeit für die immer wieder randalierenden und ständig alkoholisierten Frauen und Männer, die sich „Am Gange“ treffen. Niemand will sie haben, die meisten meiden sie. Mittwoch ist ihr großer Tag, denn dann kommt die Kost-Bar. Die Caritas organisiert sie. Kost-Bar: ein Auto, das Lebensmittel und anderes zu Menschen bringt, Bierzeltgarnituren auspackt und mit den uns oftmals so fremden und auch unangenehmen Menschen isst und trinkt, mit ihnen spricht und sie versorgt. Diese Kost-Bar ist kostbar, wertvoll, und verbindet sich für mich mit Jesu Zuspruch: Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Die Menschen, die sich bei der Kost-Bar engagieren, bringen ihren Kundinnen und Kunden Licht und Wärme und gleichzeitig machen sie auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam und streuen Salz in eine Wunde. Denn wir müssen uns doch fragen lassen, welche Geschichten verbergen sich hinter den Schicksalen dieser Menschen. Keiner kann mir erzählen, dass sie freiwillig Alkoholiker geworden sind mit allen Konsequenzen, oder dass sie gerne ohne Arbeit sind. Diese Menschen ernst zu nehmen mit ihren Bedürfnissen und ihren Nöten, bedeutet Salz und Licht zu sein.

Die Welt soll sehen, dass Christinnen und Christen Salz und Licht sein wollen. Das geschieht auf unterschiedlichste Weise, möglichst für alle sichtbar, denn Christen verstecken ihre zündenden Ideen, ihre Überlegungen, ihre Fürsorge nicht. Sie lassen ihr Licht nicht unter einem Scheffel ausgehen, nein, sie stellen es auf einen Leuchter, für jeden sichtbar. Da seht her: So wollen wir Licht in die Welt bringen. Durch uns soll deutlich werden, dass wir Menschen in Gottes Auftrag, im Horizont seiner Herrschaft unterwegs sind, als Salz und als Licht, als Dinge, die überaus wichtig sind für unser Leben, ja sogar lebenswichtig.

Die Welt licht und warm zu machen und sie mit der rechten Würze zu versehen, geschieht aber nicht von uns aus. Jesus spricht uns zwar zu: „Ihr könnt das“. Aber wir wissen auch, wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist. Wir brauchen Hilfe und diese Hilfe bekommen wir von Christus. Denn es ist Christus selbst, der durch uns wirkt. Von ihm strömt uns die Kraft zu, die wir brauchen. Er macht uns Mut, Herausforderungen anzunehmen, er öffnet uns die Augen, damit wir sehen, wo wir gebraucht werden. Dabei will Christus niemanden überfordern, denn gleichgültig, wo wir stehen, gleichgültig, wie groß oder klein unsere Kräfte sind, da, wo wir sind, können wir bereits Salz und Licht der Erde sein. Mit einem liebevollen Wort, mit einem Gebet, in Gesprächen und Begegnungen erweisen wir uns als Salz und Licht.

Wenn Jesus uns zuspricht: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“, dann dürfen wir uns darüber freuen und das einfach annehmen. Mit seiner Hilfe und Begleitung sind wir gerne die rechte Würze und das wärmende Licht für diese Welt, denn alle sollen spüren, wie sehr Gott uns liebt.

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

Ihre Pastorin Annette Beer