An(ge)dacht am 3. Sonntag nach Trinitatis, 28.06.2020

Von Pfarrer Albert Purba, Ökumenischer Mitarbeiter in Herford-Mitte.

Im Jahr 2011 habe ich „The Return of Prodigal Son“ ein Buch von Henri Nouwen gelesen. Meine Gastgeberin in Cambridge, England, hatte dieses Buch auf den Tisch in mein Zimmer gelegt. Ich war durch dieses Buch sehr beeindruckt und es hat mich beeinflusst. Als ich nach Indonesien zurückkehrte, suchte ich eine indonesische Ausgabe und zum Glück war das Buch schon übersetzt. Der Verfasser, Henri Nouwen, ein katholische Pfarrer sowie ein Akademiker, veließ seine Professur, nachdem er das Bild von Rembrandt „Der verlorene Sohn“ meditiert hatte. Seine lange Suche nach sich selbst, die bisher vergeblich war, wurde von diesem Gemälde beantwortet. Das Gemälde, das Rembrandt nach dem Gleichnis Jesu im Lukasevangelium im 15. Kapitel malte, hatte einen Nouwen nach Hause gebracht, der sich sich selbst gefunden hatte.

           Menschen sind Wesen, die nach Sinn suchen. Mit Sinn finden Menschen Authentizität und wer sie wirklich sind. Ein Leben ohne Sinn ist Angst und ein Albtraum der Existenz. Das erlebte Nouwen, der Theologie und dann Psychologie studierte, dann in Harvard unterrichtete, dann nach Peru ging und eine neue Sprache lernte. Aber in seinem Herzen gab es eine Sehnsucht nach etwas anderem. Eine Sache wusste er nicht, bis er sich durch dieses Gemälde selber fand und die Entscheidung traf, ein „Diener“ für die Menschen zu werden, die körperliche und geistige Einschränkungen in der L’Arche-Gemeinde haben.

           Unsere Sonntagslesung in der dritten Woche nach Trinitatis bringt diese Geschichte ebenfalls zurück. Ist das ein Zufall? In Situationen, in denen wir einer echten Bedrohung ausgesetzt sind, aber den Feind nicht vor uns sehen, beschränken wir uns auf begrenzte Bewegungen und werden immer mit Entwicklungen in den Nachrichten über die Anzahl der Opfer konfrontiert, die uns immer vorsichtiger machen. Es kann sein, dass einige von uns das Gefühl haben, dass uns etwas fehlt. Verlassene Osterfeiern, milde Frühlingsferien, unordentliche Pläne machen uns frustriert und wir fühlen uns im Ausnahmezustand.

           Während dieser Pandemie zu Hause zu bleiben, hat uns vielleicht dazu gebracht, geistig wegzuwandern. Wir gehen weit über unsere Grenzen hinaus, bis wir das Gefühl haben, mitten im Nirgendwo zu sein. Wenn wir die Situation erkennen, sind wir wie ein verlorener Sohn, der sich nach Hause sehnt, sich nach dem Vater sehnt und nach einer liebevollen, herzlichen Umarmung von seinem Vater. Wir vermissen etwas, das uns das Gefühl gibt, frei zu sein und wer wir sind.

           Derzeit hat die Regierung die Beschränkungen geöffnet und gelockert, wir können bereits unter bestimmten Bedingungen Gottesdienste feiern. Und vor allem, wenn der Sommer gekommen ist, können wir eine Urlaubsreise planen, um Müdigkeit abzubauen. Mögen wir durch all diese Erfahrungen, die wir durchgemacht haben und die wir noch erleben werden, immer noch den Weg nach Hause zu unserem liebenden Vater kennen. Durch die Pandemie wissen wir, dass er immer bei uns ist, wenn die Sonne scheint, sich die Natur entwickelt, das Wetter gut ist und genug Nahrung zur Verfügung steht. Und wenn wir immer noch das Gefühl haben, dass noch etwas fehlt, gehen Sie zu ihm nach Hause, er ist nicht weit, weil es nur bis zum Gebet ist.

           Schöne Ferien!

           Euer/Ihr Albert Purba