An(ge)dacht am 25. Oktober 2020

Gott sprach zu Noah: „Wenn der Regenbogen in den Wolken steht, werde ich ihn ansehen, um mich an den ewigen Bund zu erinnern, den ich mit allen Lebewesen auf der Erde geschlossen habe.“

Es ist vorbei. Die schreckliche Sintflut hat ein Ende und Noah mit seiner Familie und die Tiere, die in der Arche überlebten, wagen sich ans Licht. Befreit und erleichtert verlassen sie die Arche. Das Leben beginnt noch einmal. Sie sind davongekommen. Gott will nicht die Erde vernichten, er will den Menschen ein neues Leben schenken. „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.“ So sagt Gott.

Ja, Gott hatte zugelassen, dass die große Sintflut alles vernichtete, er hatte zugelassen, dass Menschen und Tiere starben und Unglück über die Erde kam. Doch er erbarmt sich, er erbarmt sich über Noah und seine Familie, er erbarmt sich über die Tiere, die in der Arche Zuflucht gefunden haben und letztlich erbarmt er sich über seine ganze Schöpfung.

Zwar stellt Gott als erstes fest, dass es nach der Sintflut wie vor der Sintflut ist, denn Menschen machen nach wie vor Fehler und werden schuldig vor Gott und seiner Schöpfung. Gott weiß, dass wir Menschen uns immer wieder gegen ihn entscheiden. Wir können nicht anders, wir schaffen es nicht, so zu leben, dass Gott mit allem einverstanden ist. Nach dem Ausgang der Sintflut aber dürfen wir erfahren, dass Gott gnädig ist, dass er seinen Fluch, seine Strafen zurücknimmt, dass er die Menschen annimmt wie sie sind und ihnen zeigt, dass er sie trotzdem immer liebt. Trotz all unserer Fehler sind wir geliebt und angenommen. Gott will, dass wir leben, er will unsere Welt und in dieser Welt uns erhalten. Diese Gewissheit macht uns froh und dankbar. Aber es beschämt uns auch, dass Gott uns trotz all unserer Fehler und Vergehen so liebt.

Noah hat auch begriffen, wie freundlich Gott ist. So ist seine erste Tat, nachdem er die Arche verlassen hatte, dass er seine große Freude und seinen Dank ausdrückt. Er baut für Gott einen Altar und opfert Tiere als Brandopfer. Er weiß, dass das Gott gefällt. Damit kann er Gott am ehesten seine Dankbarkeit ausdrücken. Und es wird erzählt, dass Gott dieses Brandopfer gut gefällt. Und es wird uns weiter erzählt, dass Gott zu sich sagt: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen.“ Gott ändert seine Meinung und geht mit seiner Schöpfung einen neuen Weg. Gott nimmt den Fluch, den er über die Welt gesprochen hat, zurück und macht nicht nur der schrecklichen Sintflut ein Ende, sondern er schenkt eine neue Chance und verspricht, dass er nie wieder wegen der Menschen die Erde vernichten will.

Das ist ein wunderbares Versprechen! Gerade hatte Gott noch beschlossen, alle Menschen bis auf einen zu bestrafen, weil alles Denken und Handeln ihres Herzens böse sei. Gott hatte gerade noch seinen Segen zurückgezogen. Nur die Arche war ein Ort der Rettung. Ansonsten nahm die Naturkatastrophe ihren Gang zum absoluten Höhepunkt. Die Überschwemmung erfasste alles. Die Erde wurde sozusagen generalgereinigt. Gott wollte die Menschen strafen, denn zu viel hatten sie falsch gemacht, zu oft hatten sie sich gegen ihn und seine Schöpfung gewandt. Doch nun nimmt Gott den Fluch, den er über die Welt gesprochen hat, zurück. Er gibt den Menschen eine weitere Chance, er schenkt ihnen das Leben neu. Und das, obwohl er sehr genau weiß, dass sich die Menschen im Grunde nicht geändert haben und die Sintflut als Erziehungsmaßnahme vergeblich war.

Gott ist also kein Gott, der sich rächen will, sondern ein Gott, der fürsorglich ist und trotz allem seine Schöpfung liebt. An Noah können wir es deutlich sehen. Um Noahs willen, um dieses besonderen Menschen willen, der sich als gottesfürchtig und gerecht erwiesen hat, sagt Gott: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Am Ende der Sintflutgeschichte steht diese Verheißung. Und durch den Regenbogen, der am Himmel erscheint, bekräftigt Gott, was er verspricht. Gott sagt zu Noah: „Ich schließe einen Bund mit euch und euren Nachkommen; mit allen Tieren, die mit euch auf dem Schiff waren – den Vögeln, den zahmen und den wilden Tieren – mit allen Lebewesen auf der Erde: Ich gebe euch das feste Versprechen, niemals mehr durch eine Flut die Erde und alle Lebewesen zu vernichten. Ich gebe euch ein Zeichen als Garantie für den ewigen Bund, den ich mit euch und allen Lebewesen schließe: Ich setze meinen Bogen in die Wolken. Er ist das Zeichen meines unumstößlichen Bundes mit der Erde. Wenn der Regenbogen in den Wolken steht, werde ich ihn ansehen, um mich an den ewigen Bund zu erinnern, den ich mit allen Lebewesen auf der Erde geschlossen habe.“ (1.Mose 9,9-13)

Gott schließt mit seiner Schöpfung einen Bund und setzt als sichtbares und eindrückliches Zeichen den Regenbogen an den Himmel. Gott will, dass wir leben, er will, dass wir neu anfangen. Gott spricht sein Ja zu seiner Schöpfung, weil er sie so liebt. So ist der Regenbogen auch ein Symbol für Gottes Liebe zu uns. Und Gott hält sein Versprechen. Wir Menschen haben uns nicht geändert, wir machen immer noch Fehler, wir streiten uns immer noch, wir beteiligen uns an Kriegen, wir zerstören seine wunderbare Schöpfung, aber Gott liebt uns trotzdem. Der Regenbogen erinnert uns an diese Liebe Gottes zu allem, was lebt auf dieser Erde.

Diese Liebe soll uns tragen. Gerade leben wir in einer unerträglichen, katastrophenähnlichen Situation. Das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Viele sind am Rande ihrer Kraft, viele haben aufgegeben, weil sie keine Perspektive sehen, viele sind wütend und ärgerlich und wollen diese Zumutung nicht länger ertragen. Wir stehen am Rande einer Katastrophe und dürfen uns doch auch wie Noah in der Arche fühlen. Noah und seine Familie entgingen der Katastrophe. Sie durften irgendwann aus der Arche steigen und wieder neu beginnen.

Sicherlich war das Leben in der Arche nicht angenehm, genau so wenig angenehm wie das Leben mit dem Virus. Viel mussten sie entbehren, auf manches, was ihr Leben spannend und schön gemacht hatte, verzichten. Und doch konnten sie spüren, dass sie behütet waren. Noah wusste nicht, wie lange sie in der Arche aushalten mussten. Wir wissen nicht, wie lange wir mit den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie noch leben müssen. Aber wie Noah dürfen wir darauf hoffen, dass alles ein Ende haben wird, dass wir wieder frei leben dürfen. Auch darum hat Gott seinen Bogen an den Himmel gesetzt. Auch uns gibt er Hoffnung und eine Perspektive auf eine gute Zukunft.

Später hat Gott seinen Bund mit uns erneuert. Durch seinen Sohn Jesus Christus hat Gott noch einmal bekräftigt, was er bei Noah schon versprochen hatte. Christi Tod am Kreuz und seine Auferstehung sind der eindrücklichste Beweis der Liebe und Treue Gottes zu uns Menschen. Damit ist ein Bund geschlossen, der niemals mehr erneuert werden muss, weil er allumfassend ist, weil er im Leben, im Sterben und noch darüber hinaus gilt.

Die Einschränkungen, die Ängste, sich oder andere anzustecken, die Sorge darum, wie es weitergehen kann, sind noch lange nicht zu Ende. Und doch dürfen wir gewiss sein, dass nach jeder „Flut“ unseres Lebens, wie sei auch immer aussehen mag, nach jeder Katastrophe, die wir erleben müssen, Gottes Versprechen gilt, dass wir leben dürfen. Amen.

Eine gesegnete Woche und bleiben Sie zuversichtlich

Ihre Pastorin Annette Beer