An(ge)dacht am 20. September 2020

Sorgenfrei

Es gibt wohl niemanden unter uns, der oder die keine Sorgen hat. Obwohl wir uns das sehr wünschen, denn das Leben wäre angenehm und schön, gäbe es keine Sorgen! Doch davon können wir nur träumen. Wenn wir es ganz genau nehmen, ist eigentlich unser gesamtes Leben immer wieder von großen und kleinen Sorgen bestimmt. Die Gesundheit ist ein großes Thema. Da ist die Angst um die eigene Gesundheit oder um die Gesundheit lieber Menschen, die uns nahe stehen. Wie oft hören wir auch die Frage: „Kommen wir finanziell zurecht?“ Manche müssen scharf rechnen, um sich dieses oder jenes leisten zu können. Schlimm ist die Angst um eine gelingende Zukunft, um ein gutes Leben.

Sorgen immer wieder Sorgen! Wir alle kennen das und wir wissen auch, wie schwer solche Sorgen auf einem lasten können. Sie machen einem das Herz schwer. Sie blockieren manchmal alle guten Gedanken und können richtig krank machen.

Gott will nicht, dass wir vor Sorgen und Ängsten krank werden. Er will, dass wir fröhliche und unbeschwerte Menschen sind. Und der Wochenspruch aus dem Petrusbrief fordert uns auf: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. (1.Petrus 5,7) Wir dürfen und sollen also unsere Sorgen und Nöte, unsere schweren Gedanken abgeben. Vor Gott dürfen wir aussprechen, was uns belastet, was uns traurig macht, was uns das Leben unerträglich macht. Bei Gott können wir abladen und ihn damit belasten. Ja, wir dürfen unsere Sorgen Gott vor die Füße werfen: „Da, Gott, nimm du dich unserer Sorgen an! Uns ist es zu viel, wir werden mit ihnen nicht fertig, sie überfordern uns, sie drücken uns nieder.“

Der 1.Petrusbrief, aus dem unser Wochenspruch stammt, ist ein Brief der Hoffnung. Die Menschen, die damals diesen Brief bekamen, hatten Sorgen und vor allem hatten sie Angst. Sie wurden nämlich wegen ihres Glaubens angefeindet. Als Christinnen und Christen wurden sie angegriffen, sie wurden beschimpft. Sie mussten manchmal sehr verborgen ihren Glauben leben. Viele waren mutlos und ängstlich.

Der Briefschreiber will ihnen nun Mut machen. Er will ihnen Orientierung geben, er sagt ihnen, was sie als Christen zu bieten haben und worauf sie zuleben. Sie sollen aber nicht ihre Mitmenschen, die keine Christen sind, provozieren. Oberster Maßstab all ihres Tuns soll der Wille Gottes sein. Der Verfasser ermutigt sie, auch im Leid und in unsicheren Situationen auszuhalten. Immer führt er ihnen Christus als Vorbild vor Augen, denn auch Christus hat Angst und Leid durchlebt und weiß sehr genau, welchen Nöten sie ausgesetzt sind. Und um ihnen Mut zu machen, spricht er ihnen zu: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“

Wir wissen, wie gut es tut, alles auszusprechen, sich alles von der Seele reden zu dürfen. Das kann schon sehr entlastend sein. Haben wir uns ausgesprochen, hat uns jemand geduldig zugehört, dann ist uns leichter ums Herz. Gott ist ein geduldiger und liebevoller Zuhörer. Deswegen gehen wir Menschen zu ihm und lassen uns trösten und stärken. Bei ihm können wir unseren Seelenfrieden finden, da sind wir zuversichtlich. Das haben die Menschen damals erfahren und das erleben wir heute auch.

Doch Gott ist nicht nur ein verständiger Adressat für Sorgen der Menschen, uns ist außerdem zugesprochen: Gott sorgt für euch. Das heißt doch, dass sich Gott fürsorglich kümmert. Er wusste damals, was die Menschen ängstigte. Er wusste von ihrer Situation und wollte ihnen Mut machen. Und Gott kennt auch unsere Nöte, er weiß, worum wir uns sorgen und was wir brauchen.

Wir sind, Gott sei Dank, keinen Verfolgungen ausgesetzt, so wie die Adressaten des Petrusbriefes. Wir dürfen unseren Glauben frei leben. Doch auch wir erleben ja, dass Menschen sehr unverständig reagieren, wenn wir sagen, wir seien Christinnen oder Christen. Christsein ist ein sensibles Thema. Und auch die Nöte dieser Welt bewegen uns. Fast täglich hören oder lesen wir von Kriegen, von der Flüchtlingsproblematik, von Naturkatastrophen, von steigenden Pandemiezahlen. Diese Nöte sind da und bestimmen unser Leben. Sie kommen zu unseren persönlichen Nöten dazu. Und so wächst der Sorgenberg.

Wie gut ist es zu wissen, dass Gott von all dem weiß, was uns bedrückt und er anbietet: „Alle eure Sorge werft auf mich, denn ich sorge für euch!“ Nichts soll uns niederdrücken, nicht die Sorge um das tägliche Leben, nicht Angst vor dem, was kommt, nicht Krankheit und nicht Tod. Wenn wir uns vertrauensvoll an Gott wenden, dann können wir zuversichtlich unsere Wege gehen. Uns wird zugesprochen, dass letztlich unsere Wege und alles, was uns beschwert bei Gott zum Ziel und zur Ruhe kommen.

Doch, wie spüren wir hier im täglichen Auf und Ab, dass Gott für uns da ist und sich unserer Sorgen annimmt? Gott schickt uns Menschen, die uns begleiten, Menschen, die verstehen, wovon wir reden. Er schickt Menschen, die sich unsere Sorgen anhören, die uns in den Arm nehmen und uns zeigen, dass wir ihnen wichtig sind. Er schickt uns Menschen, die zufassen und die uns raten können. Er schickt uns Menschen, die für uns beten, Menschen, die uns ernst nehmen und mit uns aushalten und gemeinsam tragen. Durch diese Menschen erleben wir heute wie damals, wie Gott sich unserer Sorgen, wie sie auch immer aussehen mögen, annimmt.

Gott hat uns noch einen weiteren Beweis seiner Fürsorge gegeben: Gott kam selbst zu uns auf die Erde. In seinem Sohn Jesus Christus kam Gott selbst, um unser Leben zu leben. In Jesus haben wir Menschen gesehen, dass Gott nichts Weltliches fremd ist, weil er nämlich die gleichen Sorgen und Nöte wie alle Menschen durchlebte. Jesus wurde angefeindet, er musste leiden und sterben. Gott weiß also sehr genau, was Leid und Angst sind. Damit wir Menschen begreifen, wie wichtig ihm unsere Sorgen und Ängste sind, hat er seinen Sohn vom Tod errettet und damit den Tod für immer besiegt. Alles, was uns von Gott trennt ist dabei von uns genommen. Schuld und Versagen brauchen uns keine Sorgen zu machen. Unsere Schuld ist uns vergeben und dem Tod ist die Macht genommen. Wir dürfen nach unserem irdischen Leben für immer bei Gott bleiben, dann endgültig frei von allen Lasten, frei von allem, was uns jemals quälte.

Trauen wir Gott zu, dass er für uns sorgt, trauen wir ihm zu, dass er unsere kleinen und großen Sorgen ernst nimmt. Er ist uns nah, in allem, was uns bewegt, er ist uns nah in allen Ängsten und Nöten und will dafür sorgen, dass wir unseren inneren Frieden finden, darum: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. Amen.

Einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche!

Ihre Pastorin Annette Beer