An(ge)dacht am 2. Sonntag nach Trinitatis, 21.06.2020

von Pfarrer Dr. Olaf Reinmuth, Herford-Mitte.

Ferien??

Manchmal gucke ich in den Kalender und rufe mir in Erinnerung, was alles ausfällt in diesem Jahr. Das Höckerfest gehört dazu, normalerweise eine der schönsten Möglichkeiten, anderen Leuten über den Weg zu laufen. Der Saisonabschluss mit dem schönen Grillfest am Gemeindehaus. Viele Gottesdienste aus besonderem Anlass: Die Jubiläumskonfirmationen; die Segnung der Schulkinder im Kindergarten, die nach den Sommerferien in die Schule kommen; die Schulgottesdienste mit den Schülern und Lehrerinnen und Erzieherinnen von der Grundschule Falkstraße. Lauter rührende Sachen. Das wäre am kommenden Freitag dran gewesen, dem letzten Schultag vor den Ferien.

Das Schuljahr geht in dieser Woche zu Ende. Zeugnisse, Abschlussfeiern, wie man das jetzt gerade machen kann. Dann kommen die Sommerferien. Normalerweise absolviere ich diese letzte Arbeitswoche vor den Sommerferien unter Hochdruck und komme manchmal nur mit hängender Zunge durch. Jetzt ist es anders. Ich bin gespannt, ob die Ferien wirklich wie eine Auszeit wirken, die dringend nötig war. Gerade hat sich wieder ein bisschen Alltag aufgebaut. Der Wochenkalender füllt sich langsam. In manchen Bereichen greift Routine. Das finde ich gut. Ich weiß wieder, was ich tun muss. Regelmäßigkeit ist ein großer Wert. Leere Tage sind ja nur schwer auszuhalten. Immer erholen geht nicht. Es braucht schon die Abwechslung von Arbeit und Ruhe. Aber jetzt die große Pause? Wie wird sie wirken? Kann ich was anfangen damit? Brauche ich sie überhaupt?

Die große Fahrt nach Frankreich haben wir jedenfalls um ein Jahr verschoben. Zu weit, zu ungewiss. Aber ein bisschen wegfahren wird schon möglich sein. Irgendwo in Deutschland oder nah bei ins Ausland. Alles ausblenden, was einen sonst in Anspruch nimmt. Die Sorgen zurücktreten lassen. Wenn die Lieben gesund bleiben und die Arbeit sonst gut läuft, dürfte das gehen. Schlimmer ist es, wenn irgendwas nicht in Ordnung ist. Sorgen lassen sich nicht einfach in Schach halten. Bewegung wäre eine gute Möglichkeit. Dafür steht mein E-Bike vom letzten Jahr. Einfach hier irgendwo eine Runde drehen. Da kommt man auf andere Gedanken. Die Natur genießen, dem Körper etwas abverlangen. Oder sich der Leere aussetzen wie am Strand von Vlieland. Vielleicht geht das noch irgendwo. Viele wollen jetzt an Nord- oder Ostsee. Stille und Weite tun der Seele gut. Auch wenn kein Problem im einzelnen damit gelöst ist, tritt doch viel zurück und lässt mich den Raum spüren, den ich zum Leben brauche. Für mich kommt in so einer Erfahrung Gott selber zum Vorschein. Ich spüre seine Begleitung und merke die Kraft, die mir das bringt.

Ich hoffe, dass es den einen oder anderen Moment davon in den nächsten Wochen gibt, auch wenn die große Pause diesmal ganz anders ausfällt. Gott befohlen!