An(ge)dacht am Ostersonntag

„Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“

So schallt es in verschiedensten Sprachen heute am Ostermorgen durch alle christlichen Gemeinden. So begrüßen sich die Glaubenden, die sich heute, und sei es nur virtuell, unter dem Kreuz versammeln. – Unter dem Kreuz am Ostermorgen?

Nagelkreuz im Herforder Frühherrenhaus

Auch ich zeige Ihnen hier am Ostermorgen ganz bewusst ein Kreuz. Es besteht aus drei Nägeln. Es sind alte Nägel, die hier neu zusammengelegt wurden. Es sind handgeschmiedete Nägel, die, was man ihnen ansieht, ihre Funktion gehabt haben,. Nun aber sind sie herausgezogen und halten nicht mehr, was einst festgenagelt war.

Jesus war ans Kreuz genagelt worden. Nägel hatten seine Hände und Füße durchdrungen, gruben sich durch Fleisch und Knochen, um ihn an das Kreuz zu nageln.

Dort starb Jesus. Er erlitt den Tod und trug dabei die Konsequenzen unserer Schuld. Wie die Nägel hat unsere Schuld ihn ans Kreuz genagelt. Wie die Nägel hielt unsere Schuld ihn am Kreuz bis zum bitteren Tod.

Doch schließlich, als alles vollbracht ist, werden die Nägel wieder herausgezogen. Sie vermögen nicht Jesus über den Tod hinaus am Kreuz zu halten. Sie haben ihren Dienst getan und werden zur Seite gelegt: der große, der die Füße ans Holz geheftet hatte und die beiden kleineren, die die Hände gehalten hatten. Die Konsequenzen unserer Schuld sind weggenommen, so dass wir nicht mehr durch sie festgenagelt werden können. Dafür ist Jesus am Kreuz gestorben.

Drei Nägel. Sie liegen in Kreuzesform. Das Bedrohliche und Brutale, wozu sie benutzt wurden, ist ihnen nicht mehr anzusehen. Sie bekommen vielmehr in ihrer gemeinsamen Gestalt etwas Schwebendes, etwas Leichtes. Ein Nagelkreuz, das nach oben strebt, dem die Verbundenheit mit der festen Materie, mit dem Holz der Erde verlorengegangen zu sein schient. Ein Nagelkreuz, das eher Triumph als Niederlage, eher das Befreite als das Angenagelte spüren lässt.

Und dabei erinnert uns diese Nagelanordnung mit den deutlichen Nagelköpfen an eine menschliche Gestalt, die mit ausgebreiteten Armen uns gegenüber schwebt. Sie erinnert uns an den Auferstandenen.

Jesus hat den Tod überwunden. Er ist vom Tod erweckt worden. Der, der am Kreuz gestorben ist, lebt wieder. Nun lebt er ein neues, unvergängliches Leben in Gottes ewigem Reich. Er hat durch Kreuz und Auferstehung den Tod besiegt und uns das ewige Leben geschenkt.

Darum gehören Kreuz und Ostern für Christinnen und Christen zusammen. Deshalb versammeln sie sich grade auch heute am Ostersonntag unter dem Kreuz, dem Siegeszeichen des Lebens. Der am Kreuz starb, ist auferstanden.

„Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest voller Freude und Hoffnung!

Pfr. Johannes Beer